Ein kleiner Zeitungsartikel wird zur großen Idee!

Anfang 2019 kam in den Medien ein Bericht über die in der Steiermark verlaufenden Thermenbahn, welche aufgrund der zu geringen Personenzahlen, den immer weniger lukrativen Abfahrtszeiten und damit verbunden Kosten ab dem Jahr 2029 nicht mehr betrieben werden soll. Notwendige Umrüstungen auf den über 80 technisch nicht gesicherten Bahnübergängen auf der Strecke von Friedberg nach Fehring würden sich nicht rentieren.

Was also tun?

Viele SchülerInnen, PensionistInnen und TouristInnen sowie der gesamte regionale Markt profitieren von der Bahn.

Der Grundgedanke von OTTL, dem Open Track Test Lab, entstand:

Bahnfahren auf (eingleisigen) Bahnstrecken in Österreich muss attraktiver werden - für die Betreiber aber vor allem für die Fahrgäste zur Stärkung der lokalen Wirtschaft und als positiver Beitrag für den Klimawandel.

Ein Gespräch folgte dem anderen und schnell war eine große Anzahl an Visionären gefunden.

Wie könnte man die Bahn für AnwohnerInnen interessant machen, die Kosten und den Aufwand dabei gering halten und das Ganze auch noch so sicher gestalten, dass ein komplexer Umbau nicht notwendig ist?

Die Antwort: selbstfahrende, flexible und wie ein Taxi abrufbare, kostengünstige kleine Wagons, die sich selbst organisieren und stets zu Diensten sind.

Schnell mal in den Nachbarort einkaufen fahren? Spontan die Oma besuchen oder einfach nur gemütlich von Therme zu Therme fahren? Mit der Lösung wäre all das kein Problem.

Gesagt getan: "Wir bauen eine autonom fahrende Bahn"

Tja schön wär's!

Nachdem die Idee konkretisiert war, wurde tatsächlich eine Bahnstrecke an unserem Standort in Gersdorf an der Feistritz entworfen und die ersten Vorbereitungen für einen autonom fahrenden Zug vorangetrieben.

Schnell stellte sich heraus, so einfach geht das nicht.

Gemeinsam mit dem VISSE (Vienna Institute of Safety and Systems Engineering)  der FH Campus Wien unter der Leitung von Herrn Dr. Hans Tschürtz, MSc. MSc. stießen wir bald auf eine Vielzahl an Herausforderungen.

Die größten Fragen? Welche Sensoren benötigen wir um einen sicheren Bahnverkehr zu gewährleisten? Wie können wir eine derart sichere Kommunikation zwischen zwei Wagons herstellen, damit diese nicht kollidieren? Und wie können wir ein solches System in die derzeit bestehende Bahninfrastruktur ohne große Umbauten integrieren?

Außerdem, was ist mit den Kreuzungen und Bahnübergängen? Regelmäßig liest man von schrecklichen Unfällen auf einem der über 1100 öffentlichen nicht-technisch gesicherten Bahnübergängen in Österreich. Und dann soll ein autonomer Zug ohne menschliche Bedienung einfach so herumfahren? Der sieht doch nicht um die Kurve? Richtig, schnell waren wir bei der Herausforderung angelangt, dass die autonome Bahn immer und zu jeder Zeit sicher sein muss, alles sehen und wahrnehmen und zu jeder Zeit ansprechbar sein muss.

Die Lösung? Da wo die Bahn nicht sieht, muss etwas anderes für die Bahn sehen ... die Idee des Sensordoms war geboren.

Eine sichere Kommunikation ist hierfür die Basis. Kein Regen- und Schneefall, kein Insektenanflug und kein Nebel darf die ausgewählte Sensorik davon abhalten eine sichere Fahrt zu gewähren.

Eine Aufgabe, die uns täglich vor Herausforderungen stellt.

Mittlerweile haben sich viele Kooperationen aufgetan, neben dem VISSE, sind diverse Fachhochschulen und Universitäten, große und kleine Unternehmen sowie ausländische Investoren an der Idee interessiert.

Aus diesem Grund ist aus unserer "kleinen" Teststrecke ein Testzentrum (das Open Track Test Lab) geworden, bei dem Unternehmen und wissenschaftliche Partner deren Produkte und Projekte testen und evaluieren (lassen) können. 

Gemeinsam werden wir es schaffen, die Bahn zu einem attraktiven, klimaschonenden und modernen Gefährt zu machen.

Nun stellen Sie sich vor: Jeder kann mit einer autonomen Bahn fahren - flexibel und sicher!